Restauration

Die beste aller möglichen Welten ist, wenn man seine verschiedenen Welten miteinander verbinden kann und daraus Synergien entstehen. Mit abgeschlossener handwerklicher Ausbildung, dem Beruf Historiker und der Tätigkeit, Dinge zu rekonstruieren, liegt es nahe, immer mal wieder in der Freizeit Dinge zu restaurieren.

Mal sind diese etwas größer, wie die Restauration einer vormaligen Fabrik von 1875, mal etwas kleiner, wie die Taschenuhr meines Urgroßvaters, die ihm meine Urgroßmutter mit an die Front gab.

Mit der Zeit sammeln sich auch rollende Restaurationobjekte an. Seit vielen Jahren schraube ich an meinem ersten Auto, einem Mercedes W123 – 240D – von 1980. Seine erste Liebe vergisst man nicht und sein erstes Auto verkauft man nicht. Aber es gilt auch: Alte Liebe rostet nicht. Alte Autos schon. Daher ist dieses Unterfangen eher ein Langzeitprojekt. Zwischenzeitlich wurde diese Restauration überholt von einem Motorrad, einer Dürkopp von 1953 mit 250ccm, die viel zu schade zu fahren ist.

Meinen Liebling will ich auch nicht vergessen: Eine Ford Transit Feuerwehr von 1970. Sechs Sitze, Blaulicht, Leiter auf dem Dach – sie wurde an Karosserie und Motor komplett zerlegt und wieder aufgebaut. Jetzt ist es praktisch ein Neuwagen. Und deutscher Akzent plus Feuerwehrauto führen dazu, dass viele Menschen im County uns ansprechen, weil sie schon von Julien Reitzenstein und den German with the Firetruck gehört haben.

So sah die Feuerwehr vor der Restaurierung aus. Und da es nicht gut ist, das der Mensch allein sei, könnte das auch für Feuerwehrautos gelten – und so kam, was kommen musste:

Das nächste Projekt – dann kommt eine Feuerwehr selten allein. Und wenn auf engen irischen Straßen ein fast vier Meter hohes, feuerrotes Auto aus der Gegenrichtung kommt, bremst jeder gern zuerst…

Nun ist meine Arbeit denkbar ungesund: Aufsichtsratssitzungen, Strategiemeetings, Archivarbeit und Schreiben gehen mit vergleichsweise wenig Bewegung einher. Da ist es naheliegend, sich auch körperlich zu betätigen: Derzeit restauriere ich ein rund 150 Jahre altes Farmhouse nebenan. Die Art, wie die von den Besatzern ausgebeuteten irischen Bauern auf den Feldern Steine sammelten und diese mit sehr wenig des kostbaren Mörtels aufschichteten zu Wänden, die aus Naturstein geschichteten drains, die statische Logik der Ecksteine: All diese konservierten Details zeigen dem Architekturhistoriker nicht nur die Schönheit von Profanbauten, sondern führen zum Wiederentdecken von know-how, das die technisierte Welt weitgehend vergessen hat.

Julien Reitzenstein